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Jul 04

Die 5 Pflegestufen ab 2017

Pflegegrade 2017

Pflegebedürftige und Angehörige müssen sich mit einer gesetzlichen Änderung auseinandersetzen: Das Pflegestärkungsgesetz (PSG II) kommt Anfang 2017. Genau genommen wird zum 01.01.2017 in den entsprechenden Bereichen auf eine neue Begutachtungssystematik mit einem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff sowie neuen Leistungen umgestellt. Was bedeutet das konkret und warum wurde die Änderung notwendig?

Reformbedürftige drei Pflegestufen

Die bisher bekannten drei Pflegestufen haben sich in der Praxis als unzulänglich erwiesen, insbesondere konnten geistige und psychische Erkrankungen nicht hinreichend beachtet werden. Vor allem, um die sogenannten Pflegebedürftigen mit eingeschränkter Alltagskompetenz leichter zu begutachten wurden neue Kriterien nötig. Daneben sind die Ausgaben für Pflege allgemein gestiegen und Angleichungen der Pflegeleistungen an die Preisentwicklung (auch im Materialbereich) wurden notwendig. Durchschnittlich soll das PSG II höhere Leistungen mit sich bringen, doch können die Veränderungen für einzelne Menschen und Personengruppen durchaus unterschiedlich ausfallen.

Veränderungen im schnellen Überblick

Grob gesagt werden die bekannten Pflegestufen ab 2017 in Pflegegrade umgewandelt:

  • Aus den Pflegestufen 0 und 1 wird der Pflegegrad 2
  • Die Pflegestufen 1+ und 2 werden zum Pflegegrad 3
  • Die Stufen 2+ und 3 bilden den Pflegegrad 4
  • Härtefälle sowie die Pflegestufe 3+ werden zum Pflegegrad 5

Anpassung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit

Das neue System soll den Bund jährlich mehrere Milliarden Euro mehr kosten, da es den Fokus von den rein körperlichen Fähigkeiten auf die allgemeine Alltagskompetenz verschiebt. Dort, wo bisher nur die Unterstützung bei der Grundpflege in die Wertung der Pflegestufe einfloss, werden nun alle Bereiche des täglichen Lebens beachtet, dazu gehören auch die Teilnahme am sozialen Leben und an außerhäuslichen Aktivitäten. Pflegebedürftigkeit wird künftig nicht mehr nach Zeitorientierungswerten bemessen, sondern anhand der Frage, ob die erforderliche Fähigkeit vorhanden ist und ob die entsprechenden Tätigkeiten selbständig, teilweise selbständig oder unselbständig ausgeübt werden.

Das neue Begutachtungsassessment (NBA)

Künftig werden die Pflegebedürftigen ganzheitlich mit Hilfe eines Punktesystems bezüglich ihrer Selbstständigkeit bewertet. Die Einteilung in die fünf Pflegegrade erfolgt anhand einer Skala von 0 bis 100. Diese Punkte werden nach Modulen gewichtet, innerhalb derer wiederum nach einem umfassenden Punktesystem benotet wird, welches sich Laien nur schwerlich erschließt. Die Module behandeln

  • die Hilfen bei Alltagsverrichtungen
  • die eventuell nötige psychosoziale Unterstützung
  • den nächtlichen Hilfebedarf
  • die nötige Pflegepräsenz am Tag
  • Unterstützung beim Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen und
  • die Organisation der Hilfen

Die neuen Pflegegrade

Auf der Basis des komplexen Begutachtungs- und Punktesystems werden die Pflegegrade eingeteilt.

Pflegegrad 1

Der Pflegegrad 1, „geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit“ (ab 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkte) kommt für Menschen in Frage, die bisher nicht die Bedingungen für Pflegestufe 0 erfüllten. Sie haben nun Anspruch auf Grundpflege mit einer Dauer von täglich 27- 60 Minuten und einmal psychosoziale Unterstützung am Tag. Letzteres bezieht sich auf den Hilfsbedarf z.B. bei Verwirrtheit, Depressionen oder der Strukturierung des Tages.

Pflegegrad 2

Im Pflegegrad 2, „erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit“ (ab 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkte) wird eine Grundpflege von 30-127 Minuten bezahlt, dazu einmal psychosoziale Unterstützung und, falls nötig, eine nächtliche Hilfe. Bei Vorliegen einer psychologischen Erkrankung verschieben sich die Leistungen zugunsten von zwei bis zwölf Einheiten psychosozialer Unterstützung täglich.

Pflegegrad 3

Für den Pflegegrad 3, „schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit“ (ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkte) erhält man:

  • Grundpflege: 131-278 Minuten
  • Psychosoziale Unterstützung: 2-6x täglich
  • Nächtliche Hilfen: 0-2x
  • bezahlte Präsenz der Pflegekraft tagsüber: weniger als 6 Stunden

Bei einer psychologischen Erkrankung verschieben sich die Leistungen hin zu mehr Präsenz mit weniger Grundpflege.

Pflegegrade 4 und 5

Für die Pflegegrade 4 und 5 werden bis zu 300 Minuten tägliche Grundpflege bezahlt, außerdem die Präsenz von Pflegekräften für 6 bis 24 Stunden am Tag. Die psychosoziale Unterstützung kann zweimal täglich bis permanent erfolgen. Schließlich handelt es sich in diesen Fällen um eine sogenannte schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 70 bis 100 Gesamtpunkte). Der Pflegegrad 5 stellt dabei zusätzlich „besondere Anforderungen an die pflegerische Versorgung“.

Pflege zu Hause weiterhin am beliebtesten

Die Kasse zahlt für die Pflegegrade 4 und 5 auch für eine 24-Stunden-Betreuung, wie sie die Deutsche Seniorenbetreuung anbietet. Während die gesetzlichen Regelungen für die ambulant betreuten Wohngruppen verschärft wurden, erweitert sich der Kreis der Leistungsbezieher für die häuslichen Hilfen. Dies passt zu Studienergebnissen wie denen der Umfrage des wissenschaftlichen Instituts (Wido) für die AOK, nach denen die Mehrheit der Menschen auch im hohen Alter zu Hause wohnen und gepflegt werden möchte. Damit Privatheit und Selbstständigkeit auch bei Pflegebedürftigkeit erhalten werden können, lohnt sich das rechtzeitige Ausloten der finanziellen und rechtlichen Möglichkeiten.

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